Solisten

Ihrem Ideal als Internationale Orchesterakademie verpflichtet, lädt die Klassische Philharmonie Bonn regelmäßig junge Nachwuchstalente dazu ein, das Orchester bei einer ihrer Tourneen zu begleiten. Durch zahlreiche Kooperationen sind diese Musiker häufig Preisträger namenhafter Musikwettbewerbe, denen als Preis eine Deutschlandtournee mit dem Orchester ermöglicht wird. Darüber hinaus verfügt die Klassische Philharmonie Bonn aber auch über ein umfangreiches Netzwerk zu Konservatorien und Musikhochschulen, über das ebenfalls vielversprechende Nachwuchstalente verpflichtet werden. Nicht selten waren Tourneen mit der Klassische Philharmonie Bonn Sprungbretter für weitere Konzertverpflichtungen und auch Initialzündung für internationale Musikkarrieren. Dabei kann das Orchester auf Tourneen mit Künstlern aus der ganzen Welt zurückblicken und so unterschiedlich deren Herkunfstländern sind, so unterschiedlich sind häufig auch deren Werdegänge. Im folgenden möchten wir die Solisten etwas persönlicher vorstellen und ihnen im Rahmen eines kleines Gespräches die Möglichkeit bieten, sich selbst vorzustellen.

> Valentino Worlitzsch · Violoncello
Tournee im November 2018
Robert Schumann · Violoncellokonzert a-Moll op. 129

Gemeinsam mit unserem Orchester werden Sie Schumanns Cellokonzert spielen. Das Konzert ist dafür bekannt, dass es kaum Passagen enthält, die die Virtuosität des Solisten aufzeigen sollen. Gleichzeitig ist es aber auch ein „erklärter Liebling der Cellisten“, wie es Herr Beissel selbst beschreibt. Was macht für Sie den Reiz und den Anspruch dieses Konzertes aus?
Schumann ist der Komponist, dem ich mich vielleicht am allermeisten verbunden fühle. Und genau diese seine Intention, dass nicht ein Virtuose im Vordergrund stehen, sondern es allein um die Musik gehen soll, spricht mir aus der Seele – macht seine Werke, insbesondere dieses Konzert, aber deswegen nur umso schwerer zu spielen! Denn die Folge ist, dass Schumann nicht perfekt und angenehm für das Cello schreibt, sodass etwa alles toll in der Hand läge und man mit virtuosen Passagen besonders glänzen könnte, sondern auf spieltechnische Belange eben keinerlei Rücksicht nimmt, er schreibt also ziemlich „uncellistisch“! Aber bei solch einer Musik nimmt man das gern in Kauf…

Ein Blick in ihre Vita verrät, dass Sie schon früh sehr erfolgreich an Ihrem Instrument waren. Können Sie uns etwas über Ihren persönlichen Hintergrund erzählen? Kommen Sie aus einer musikalischen Familie, haben Sie Geschwister, die ebenfalls musizieren?
Ich habe das große Glück, dass meine Eltern phantastische Musiker sind, mein Vater war 1. Konzertmeister und meine Mutter Bratschistin in der NDR Radiophilharmonie Hannover. Durch sie und durch meine beiden älteren Geschwister, die auch beide schon früh Instrumente spielten (aber etwas anderes studiert haben), war die Musik natürlich omnipräsent bei uns zu Hause. Also wollte ich natürlich auch Musik machen! Und so habe ich mit drei Jahren zunächst mit Geige angefangen, um aber ein Jahr später zum Cello zu wechseln, und auch Klavier begann ich mit vier Jahren zu spielen. Während meiner gesamten Jugend bis ins Studium hinein habe ich beide Instrumente gleich intensiv gespielt, war laut Wettbewerben sogar auf dem Klavier besser. Dennoch war mir immer klar, dass das Cello mein Hauptinstrument ist!

Sie sind nicht nur als Cellist unterwegs, sondern dirigieren auch selber. Können Sie uns etwas mehr dazu erzählen? Ist Dirigieren etwas, das Sie in Zukunft verstärkt tun möchten und welchen Repertoires bedienen Sie sich dabei?
Der Grundstein für meine Dirigier-Leidenschaft ist ebenfalls schon sehr früh gelegt worden: Durch meine Eltern habe ich von Kindesbeinen an die große Orchesterliteratur kennengelernt und ich erinnere mich, dass ich mir auch schon sehr früh Partituren zum Mitlesen und Analysieren gewünscht habe. Die Kombination Cello/Klavier und dazu ein absolutes Gehör sind natürlich auch nicht die schlechtesten Voraussetzungen. Mit etwa 15 Jahren bekam ich dann den ersten Dirigierunterricht, zunächst im Rahmen meines Frühstudiums im IFF Hannover, danach aber auch weiterhin bei Prof. Martin Brauß, dem ich sehr viel zu verdanken habe. Schließlich gab es in Weimar die großartige Chance, neben dem Cello auch Dirigieren zu studieren, und zwar beides bei herausragenden Lehrern! Dadurch konnte ich noch einmal unglaublich viel lernen und auch viele wertvolle praktische Erfahrungen sammeln, auch mit professionellen Orchestern wie z.B. der Jenaer Philharmonie, und seitdem packt mich diese Leidenschaft immer mehr. Im Repertoire habe ich da keinerlei Einschränkungen: Haydn, Mozart, Beethoven, Mendelssohn, Schumann, Brahms, Debussy, Schostakowitsch – alles, was tolle Musik ist! Letztes Jahr habe ich z.B. in der Berliner Philharmonie Beethovens 1. Symphonie dirigiert, das macht schon süchtig!

> Vasily Gvozdetsky · Klavier
Tournee im Oktober 2018
Wolfgang Amadeus Mozart · Klavierkonzert Nr. 24 c-Moll KV 491

Ein Blick in deine Biografie verrät, dass du als Sechzehnzehnjähriger von Russland nach Deutschland gezogen bist und hier ein Musikgymnasium besucht hast. Bist du wegen der Musik übergesiedelt? War dir damals schon klar, dass du eine Musikkariere anstreben wirst?
Ja, ich komme aus einer musikalischen Familie, die Musik war von Anfang an Teil meiner Welt. Ich hatte schon früh eine sehr gute Ausbildung an der Spezialschule beim Konservatorium in Petersburg genießen dürfen und war so in ein lebendiges musikalisches Umfeld eingebunden, was mindestens genauso wichtig ist wie der Unterricht selber. Daher kann man sagen, die Entscheidung ist sehr früh gefallen und durch alles, was ich auf diesem Wege erlebt habe, wurde sie stetig bestärkt. Echte Zweifel hatte ich zu keiner Zeit. Was die Übersiedelung nach Deutschland betrifft, so war ich auch davor häufig zu Besuch da, habe Konzerte gespielt und Freundschaften geschlossen. Es hat sich ganz natürlich ergeben, dass ich vor dem Umzug mit dem Musikleben in Deutschland in Berührung kommen konnte. Der Unterricht am Musikzweig der Latina August Hermann Francke war neben der Studienvorbereitung auch mit vielen Aktivitäten wie Wettbewerben, Konzertausflügen in der Region und anderen vielfältigen Projekten verbunden, was mir zusätzlich geholfen hat, mich zurechtzufinden. 

Du stets ja kurz vor dem Abschluss deiner Studien, die erste der beiden Teilprüfungen des Konzertexamens   hast du ja schon mit Auszeichnung bestanden. Hast du schon Pläne, wo es für dich weiter hingeht? Wo wird man dich in Zukunft hören können?
In Zukunft möchte ich als Pianist so viel wie möglich unterwegs sein. Während des Konzertexamens liegt der Fokus unter anderem darauf, das Repertoire intensiv zu erweitern und gezielt Werke für zukünftige Programme zu erarbeiten. Es freut mich deshalb sehr, dass dieses Jahr so reich an Konzerten ist und ich die Gelegenheit habe, das, woran ich arbeite, dem Publikum auch zu präsentieren. Eins der größeren Projekte der näheren Zukunft, auf das ich mich besonders freue, ist das Nikolay-Medtner Festival, welches Anfang November in Berlin stattfinden wird. An fünf Konzertabenden wird dem Berliner Publikum eine Reihe wirklich außergewöhnlicher Werke zu Gehör gebracht.

Du bist Gründungsmitglied der internationalen Nikolaj Medtner Gesellschaft, die sich der Pflege des Andenkens an diesen deutsch-russischen Komponisten widmet. Kannst du uns ein wenig mehr über Medtner und die Arbeit der Gesellschaft erzählen?
Nikolay Medtner ist für mich ein ganz besonderer Komponist, weil in ihm so viele Gegensätze, Widersprüche und Konflikte des 19. und 20. Jahrhunderts aufeinandertreffen. Er war ein begeisterter Goethianer, vergötterte Beethoven und Wagner und war gleichzeitig tief in der russischen Nationalmusik verwurzelt. Nach der Oktoberrevolution lebte er bis zu seinem Tod (1951) in Deutschland, Frankreich und England und litt sein ganzes Leben lang an Nostalgie, wurde aber gleichzeitig von ihr enorm stark inspiriert. Sein Verständnis von Harmonik ist äußerst konservativ und doch sind seine Werke voller kühner Experimente, wobei er manchmal auch atonale Fugato-Elemente und Cluster-ähnliche Gebilde benutzt. Zu Lebzeiten blieb ihm als Komponisten der große Ruhm verwehrt, jedoch gab es immer einen Kreis von glühenden Anhängern und Förderern, die wirklich etwas von Musik verstanden haben, wie zum Beispiel Sergey Rachmaninov. Auch war Medtner einer der größten Pianisten seiner Zeit, weshalb seine Handhabung der pianistischen Stilmittel außerordentlich raffiniert und einfallsreich und doch vollkommen frei von jeder Effekthascherei ist. Zusammen mit einigen Freunden und Kollegen in Berlin haben wir beschlossen, eine Gesellschaft zu gründen, die durch Konzerte und alternative Formate eine lebendige Auseinandersetzung mit seinem Werk anstrebt.

Mit unserem Orchester wirst du Mozarts 24. Klavierkonzert spielen. Der Vielschreiber Mozart war ja auch in dieser Gattung recht tüchtig. Was ist für dich das Charakteristische, das das 24. Konzert ausmacht?
Tatsächlich erinnere ich mich genau an den ungeheuren Eindruck, den dieses Stück bei mir hinterlassen hat, als ich es grade kennenlernte. Als ich als Schüler das c-moll Konzert von Beethoven studiert habe, habe ich gleichzeitig vieles über den großen  Einfluss von Mozarts c-moll Konzert auf Beethovens Konzert gelernt. Beide Werke und die ihnen gemeinsame Klangwelt haben mich fasziniert. Dieses Konzert von Mozart war auch das, welches ich mir gleich für das erste Semester im Studium ausgesucht habe. Ich kann mich erinnern, wie viele Stunden ich mir den Kopf zerbrochen habe. Vor allem die Coda, mit ihrer geisterhaften Leichtigkeit, hat immer mehr verlangt, je mehr ich daran gearbeitet habe. Anders als bei Beethovens Konzert, bei dem der Schluss triumphierend alle Zweifel ausräumt, scheint sich das mysteriöse, chromatische Motiv am Ende des dritten Satzes in Mozarts Werk zu „verlaufen“. Es ist wie ein Spalt in einer Tür zu einer anderen Wirklichkeit – eine offene Frage, die durch ihre Unbestimmtheit uns etwas mitteilt. Manchmal klingt es auch wie ein Lachen – mal wie herzliches und gutmütiges Lachen, mal wie ein eisiges Lachen einer griechischen Gottheit, die aus einer anderen Welt zu uns spricht. Beim Spielen ist es mit besonders wichtig, dass auch der Zuhörer diese „Luft von anderen Planeten“ spüren kann.

> Fabian Müller · Klavier
Tournee im Mai 2018
Wolfgang Amadeus Mozart · Klavierkonzert Nr. 23 A-Dur KV 488

Dein Terminkalender ist ja sehr gut gefüllt und du kannst bereits auf zahlreiche internationale Konzerte in den ersten Häusern, wie zuletzt der Carnegie Hall, zurückblicken. Hast du vielleicht ein besonderes Herzensprojekt, ein bestimmtes Konzert oder eine bestimmte Halle, das du gerne verwirklichen würdest?
Ich konnte mir in letzter Zeit und auch in den nächsten Monaten tatsächlich einige meiner Lebensträume erfüllen. Trotzdem bleiben soviele Wünsche und Ideen, die ich einmal verwirklichen möchte. Neben Kammermusik mit einigen tollen Musikern, die ich schon seit meiner Kindheit bewundere, gibt es vor allem ein Projekt, das ich gerne einmal umsetzen würde: Alle 5 Beethoven Klavierkonzerte mit einem Orchester in einem Jahr aufführen. Ich habe alle fünf schon gespielt und liebe sie sehr, aber es gab noch nie die Gelegenheit sie alle mit demselben Orchester in einem Gesamtzyklus aufzuführen. Hoffentlich kriege ich in den nächsten Jahren die Chance dazu, das wäre wirklich die größte Freude!

Das Klavierkonzert KV 488 ist eines der berühmtesten Werke Mozarts überhaupt und vielleicht das populärste seiner Klavierkonzerte. Was ist deiner Meinung nach das Charakteristische, das dieses Stück auszeichnet?
Mozart ist so ein genialer Komponist und es gibt kein schlechtes Klavierkonzert von ihm. Trotzdem nimmt KV 488 sicher eine besondere Stellung in seinem Gesamtwerk ein. Was ich persönlich so faszinierend an diesem Stück finde, ist der Gegensatz zwischen dem zweiten und dritten Satz. Der langsame zweite Satz gehört zum Traurigsten und Schönsten, das überhaupt jemals an Musik geschrieben wurde und ich habe dieses Stück noch kein einziges mal gespielt ohne von dieser Traurigkeit tief ergriffen gewesen zu sein. Der dritte Satz dagegen ist die reine Lebensfreude, das sprudelnde Glück von durchdringender Freude. Dass diese beiden Welten die bedingungslos zusammen gehören, nicht nur in der Musik sondern eben auch im Leben, das kann man in keiner Musik so gut erleben, wie in diesem Klavierkonzert.

Neben deiner ausgeprägten Konzerttätigkeit hast du auch die Konzertreihe „Bonner Zwischentöne“ initiiert und bist dessen künstlerischer Leiter. Kannst du uns ein wenig von dieser Reihe erzählen?
Die Reihe "Bonner Zwischentöne" ist eines meiner Lieblingsprojekte und ich muss auch offen zugegeben, dass ich sie aus einem sehr eigensinnigen Grund überhaupt erst ins Leben gerufen habe. Ich spiele in dieser Reihe 3 Konzerte pro Jahr für die ich Musiker einlade, die nicht nur auf allerhöchstem Niveau spielen können, sondern die darüber hinaus auch noch tolle Menschen und gute Freunde sind. Mit diesen Musikern zusammen Kammermusik zu machen ist eines der größten Geschenke, die mein Beruf mit sich bringt. Es ist ein solcher Spaß, dass ich es am liebsten jedem Menschen da draußen zurufen würde: lernt ein Instrument und macht zusammen Kammermusik, es gibt wenig, was mehr Freude im Leben bringt!

> Ziyu He · Violine
1. Preisträger der Internationalen Mozartwettbewerbs der Universität Mozarteum Salzburg
Tournee im März 2018
Ludwig van Beethoven · Violinkonzert D-Dur op. 61

Herzlichen Glückwunsch zum Erfolg beim Internationalen Mozartwettbewerb! Kannst du uns ein bisschen von dem Wettbewerb erzählen? Was waren deine Erwartungen und wie denkst du wird der Erfolg deine weitere musikalische Karriere beeinflussen?  
Es war für mich eine riesig große Freude im Wettbewerb meiner eigenen Universität, dem Mozarteum Salzburg auf der Bühne zu stehen und dann auch noch den 1. Preis zu gewinnen. Das war eine tolle Erfahrung.  Natürlich ist jeder Wettbewerb wichtig und ein Meilenstein in einer jungen Karriere, aber der „hauseigene“ Wettbewerb war emotional natürlich etwas ganz besonderes. Ich bin sehr stolz am Mozarteum Salzburg zu studieren!  

Unser Dirigent hat gesagt „Beethovens Violinkonzert ist bei fast allen Musikern ein nie zu bezwingender Berg bei dem musikalische Fehler wie Regelverstöße sind. Dieses Konzert ist nichts für Angsthasen“. Wie denkst du darüber?
Das Beethoven Violin Konzert ist eines der schönten Konzerte des Violin-Repertoires. Dieses Konzert ist jedes mal aufs neue ein geheimnisvoller Schatz der Musik, der durch den Solist wieder zu Tage tritt und im Publikum zum glänzen kommt. Der Zauber der Musik entsteht aus ziemlich einfachen Melodien, die durch Beethoven´s Meisterhand so fabelhaft klingen und zu einem einzigartigen Meisterwerk wurden. Es ist ein großes Glück aller Musikern, dass wir heute dieses fantastische Werk dem Publikum präsentieren dürfen! Ich freue mich sehr, dieses Konzert auf der Tournee mit der Klassischen Philharmonie Bonn unter der Leitung von Heribert Beissl so oft präsentieren zu können. 

Du spielst eine Geige von Antonio Stradivari, der vielen als der beste Geigenbauer der Geschichte gilt. Was ist das für ein Gefühl auf so einem geschichtsträchtigen Instrument zu spielen und was ist das Charakteristische daran?
Auf der Schneiderhan Stradivari 1715 zu spielen war ein grossartiger Genuss und eine herausragende musikalische Erfahrung für mich. Ich hatte für knapp zwei Jahre das Privileg, dieses fast einzigartige Instrument zu spielen, was mir als Sieger des berühmten Menuhin Wettbewerbs in London zuteil wurde. Im Februar dieses Jahres musste ich das Instrument leider wieder abgeben. (Ursprünglich hatten wir gedacht, dass ich auch auf dieser Tournee diese Stradivari noch spielen könnte, aber der Wettbewerbs-Sieg bzw. -Preis und die Tournee liegen zeitlich so weit auseinander, dass dies dann leider nicht mehr möglich war. ….ob ich den Preis zu früh gewonnen habe oder die Tournee zu spät ist, das bleibt die lustige Frage dabei….)   Inzwischen spiele ich sehr gerne wieder auf meinem eigenen Instrument, einer Geige von Jean-Babtiste Vuillaume, die früher dem legendären Geiger Arthur Grumiaux gehörte. Sie ist nicht nur ein gutes Instrument, mit dem ich gerne spiele, sondern fühlt sich an wie ein Teil meines Körpers, mit dem ich Musik mache.  Manchmal, wenn ich nur die Geige in dem Hand halte und sie anschaue, sehe ich diese klare Schönheit der Geige. Ich bin wirklich sehr glücklich und bin tief in dieses Instrument verliebt.  

Nun noch ein persönliche Frage, die wir immer gerne stellen: Kommst du aus einer musikalischen Familie? Hast du Eltern oder Geschwister, die auch Musik machen?
Ich stamme aus einer Familie der Chinesischen Mittelschicht, bin Einzelkind und der einzige Musiker in meiner Familie. Meine Mutter begleitete mich in Salzburg und meiner Studienzeit bis ich volljährig war, das war nicht einfach für die Familie. Ich bin sehr dankbar dafür und auch, dass meine Familie mich sehr unterstützt auf diesem Musiker-Weg.

> Thomas Reif · Violine
2. Preisträger der Internationalen Mozartwettbewerbs der Universität Mozarteum Salzburg
Tournee im März 2018
Ludwig van Beethoven · Violinkonzert D-Dur op. 61

Herzlichen Glückwunsch zum Erfolg beim Internationalen Mozartwettbewerb! Kannst du uns ein bisschen von dem Wettbewerb erzählen? Was waren deine Erwartungen und wie denkst du wird der Erfolg deine weitere musikalische Karriere beeinflussen? 
Vielen Dank. Die Atmosphäre dieses Wettbewerbs war sehr angenehm. Auch weil ich ja von 2004 bis 2011 als Jungstudent am Mozarteum studiert hatte, kannte ich die Räume und die Säle. Es war also für mich auch schön, wieder dort zu sein. Generell darf man bei einem Wettbewerb nicht zu hohe Erwartungen haben, es kann ja völlig unterschiedlich laufen, egal, ob man sich nach dem Wertungsspiel gut oder schlecht fühlt. Trotzdem muss man selbstsicher auftreten, was vielleicht eine der Hauptschwierigkeiten eines Wettbewerbs ist. Sicherlich beeinflusst so ein Erfolg eine Karriere. In welcher Weise zeigt sich allerdings oft erst sehr verzögert. Die direktesten Folgen sind natürlich Konzerttourneen wie diese, die unmittelbar mit dem Wettbewerb zusammenhängen. Andere Veranstalter laden einen ein, weil sie den Livestream gesehen haben usw. Man macht sich also einen Namen, abgesehen von dem Reifeprozess, den man immer bei so einem Wettbewerb durchmacht und der einen sicherlich auch auf das Konzertleben vorbereitet. 

Unser Dirigent hat gesagt „Beethovens Violinkonzert ist bei fast allen Musikern ein nie zu bezwingender Berg bei dem musikalische Fehler wie Regelverstöße sind. Dieses Konzert ist nichts für Angsthasen“. Wie denkst du darüber? 
Sicherlich zählt dieses Violinkonzert zu den größten und schwersten. Und ich denke, selbst die besten Geiger haben auch nach vielen Aufführungen noch größten Respekt davor - und nicht immer das Gefühl, das Stück gemeistert zu haben. Trotzdem darf man natürlich nicht mit Angst an das Werk herangehen, da man sich sonst selbst blockiert. Vielleicht hilft es ja sogar, wenn man weiß, dass dieses Stück größer ist, als wir Musiker, und dass wir vielleicht ein Leben lang immer neue Ebenen dieses Werkes entdecken können. Für mich ist es jedenfalls eine große Freude und Ehre, dieses Konzert spielen zu dürfen.  

Du hast ja sowohl in kleinen Ensembles als auch in großen Orchestern Erfahrung gesammelt. Inwiefern unterscheidet sich da deine musikalische Herangehensweise? Was erwartest du von den gemeinsamen Konzerten mit der Klassischen Philharmonie Bonn? 
Natürlich unterscheidet sich die praktische Arbeitsweise in einem Sinfonieorchester zu der eines Kammerorchesters. Aber generell wünsche ich mir in jedem Klangkörper, egal wie groß, eine kammermusikalische Herangehensweise. Auch bei großen Sinfonien merkt man, ob die einzelnen Spieler untereinander kommunizieren. Das gilt auch für Violinkonzerte. Ich versuche bei allen Stücken eine Kommunikation mit dem Orchester aufzubauen - sei es Mozart, Glazunov oder Berg.  Auch wenn wir vor meinem ersten Konzert mit der Klassischen Philharmonie Bonn nur eine Probe am Konzerttag haben, hoffe ich - und glaube ich, dass wir uns im Laufe der sechs Konzerte gut kennenlernen und mit diesem wunderbaren Werk schöne Erlebnisse haben werden.  

Nun noch ein persönliche Frage, die wir immer gerne stellen: Kommst du aus einer musikalischen Familie? Hast du Eltern oder Geschwister, die auch Musik machen? 
Ja, meine Mutter ist Schulmusikerin und daher kommt wohl auch die musikalische Ader. Mein Vater ist Arzt und sehr musikbegeistert. Ich habe zwei Geschwister, die auch Musik machen - meine Schwester studiert Gesang und mein Bruder ist Dirigent. In der weiteren Verwandtschaft ist auch ein Schlagzeuger und eine Musiktherapeutin. Also insgesamt decken wir einige musikalische Bereiche ab!

> Alberto Ferro · Pianist
1. Preisträger der International Telekom Beethoven Competition Bonn
Tournee im Februar 2018
Felix Mendelssohn · Klavierkonzert Nr. 1 g-Moll op. 25

Erzähle doch ein bisschen über den International Telekom Beethoven Competition Bonn (ITBCB): Was waren deine Erwartungen, wie war dein Weg durch den Wettbewerb und inwiefern denkst du, wird er deine weitere musikalische Karriere beeinflussen?   
Als ich zu dem Wettbewerb angetreten bin, habe ich nicht damit gerechnet zu gewinnen. Während des Wettbewerbs habe ich einfach immer nur versucht mein Bestes zu geben, ohne darüber nachzudenken, ob ich es in die nächste Runde schaffe. Der ITBCB ist ein bedeutender Wettbewerb, der es den Preisträger ermöglicht, zahlreiche Rezitale und Konzerte mit Orchester bei bedeutenden Festivals in Deutschland und im Ausland zu spielen. 

Warst du in der Vergangenheit bereits mit einem Orchester auf Tour? Was sind deine Erwartungen an die Tournee mit der Klassischen Philharmonie Bonn?  
Ich habe bereits zwei kleinere Tourneen gespielt: mit dem Haydn Orchestra aus Bolzano und Trento habe ich nach dem Busoni Wettbewerb Shostakovichs erstes Klavierkonzert gespielt und mit dem Antwerpener Sinfonieorchester habe ich nach dem Königin Elisabeth Wettbewerb Beethovens viertes Klavierkonzert gespielt. Die Tour mit diesem prestigeträchtigen deutschen Orchester wird allerdings die längste sein, die ich bis dato gespielt habe. Ich denke also, dass ich den Dirigenten und das ganze Orchester auch näher kennenlernen werde.

Kennst du das erste Klavierkonzert von Mendelssohn und was ist dein Bezug dazu?   
Es wird das erste Mal sein, dass ich dieses wunderbare Klavierkonzert spiele und freue mich schon sehr darauf. Es ist eines der kürzesten Klavierkonzerte der romantischen Phase. In den nur knapp 20 Minuten finden man etliche brillante Passagen und lyrische Themen mit ganz unterschiedlichen Charakteren. Ich fühle mich sehr verbunden mit diesem Konzert, vielleicht auch, weil Mendelssohn es schrieb, als er so alt war, wie ich jetzt: 21. 

Noch eine persönlichere Frage: Kommst du aus einer musikalischen Familie? Hast du Eltern oder Geschwister, die auch musikalisch aktiv sind? 
Ich komme aus einer halb musikalischen Familie. Meine Mutter hat Klavier studiert und einen entsprechenden Abschluss am Konservatorium gemacht. Geschwister habe ich allerdings nicht.

Foto: © Dan Hannen

> Tomoki Kitamura · Pianist
2. Preisträger der International Telekom Beethoven Competition Bonn
Tournee im Februar 2018
Felix Mendelssohn · Klavierkonzert Nr. 1 g-Moll op. 25

Erzähle doch ein bisschen über den International Telekom Beethoven Competition Bonn (ITBCB): Was waren deine Erwartungen, wie war dein Weg durch den Wettbewerb und inwiefern denkst du, wird er deine weitere musikalische Karriere beeinflussen?   
Im Grunde bin ich kein großer Freund von Wettbewerben. Ich empfinde es als schmerzhaft mit anderen verglichen zu werden. Ich möchte eigentlich nur die Musik spielen, die ich liebe, und dabei ich selbst sein. Aber wie dem auch sei, als Musiker muss man ja letzten Endes auch gehört werden und selbst wenn Musik etwas sehr persönliches ist, denke ich, dass Sie irgendwie auch geteilt werden muss. Ich finde, dass der ITBCB da perfekt ins Bild passt. Bereits in der ersten Runde kann man 45 Minuten lang spielen, was lang genug ist, um mit der Musik etwas auszudrücken. Darüber hinaus wurden alle Auftritte im Internet übertragen. Meine Vorbereitung auf den Wettbewerb war eine Art Entdeckungsreise, bei der ich mich selbst durchsucht und analysiert habe - auch philosophisch. Es war ein Versuch zu verstehen, wer ich bin und welche Rolle die Musik in meinem Leben spielt. Das Ziel war es auf der Bühne so sehr ich selbst zu sein, wie irgendwie möglich. Das war wirklich harte Arbeit, aber menschlich eine großartige Erfahrung

Warst du in der Vergangenheit bereits mit einem Orchester auf Tour? Was sind deine Erwartungen an die Tournee mit der Klassischen Philharmonie Bonn?  
In Japan, ja. Aber es ist das allererste Mal für mich, dass ich zwei Konzerte an einem Tag spiele. Ich spiele gerne mehrmals ein und das gleiche Stück, denn unterschiedliche Orten und verschiedene Tage machen auch mich unterschiedlich. So entdecke ich selber plötzlich etwas Neues in der Musik, manchmal sogar auf der Bühne. Ich finde ein Klavierkonzert ist eine Unterhaltung. Ich erwarte und hoffe, dass ich auch drei unterschiedliche Geschichten erzählen werde, wenn ich mit der Klassischen Philharmonie Bonn in drei verschiedenen Städten spiele. 

Kennst du das erste Klavierkonzert von Mendelssohn und was ist dein Bezug dazu?   
Ich mag Mendelssohn und sein „Sommernachtstraum“ ist eines der schönsten Stücke der frühen Romantik. Ich bin immer wieder beeindruckt von der transparenten Farbgebung und Sensibilität, die man wohl am besten als „empfindlich“ beschreiben kann. Um ehrlich zu sein habe ich aber nie damit gerechnet das Klavierkonzert zu spielen. Es gibt so viele Werke, aus denen man für sein Repertoire schöpfen kann. Da muss man Prioritäten setzen, insbesondere da ich Stücke nicht nur oberflächlich lernen will. Für mich ist ein neues Stück zu lernen, wie einen neuen Menschen kennen lernen. Jetzt, wo ich damit beschäftigt bin das Stück zu lernen, lerne ich auch jeden Tag einen neuen Charakterzug kennen. Ich hoffe, dass mein Verhältnis zu dem Werk von Dauer sein wird und bin sehr glücklich darüber, dass ich das Stück zum ersten Mal in solch einem großartigen Rahmen spielen kann. 

Noch eine persönlichere Frage: Kommst du aus einer musikalischen Familie? Hast du Eltern oder Geschwister, die auch musikalisch aktiv sind? 
Meine Eltern und meine Geschwister sind selber keine Musiker. Sie interessieren sich sehr für Musik, wenn auch nicht für klassische, und ich erinnere mich, dass zu Hause eigentlich immer Musik lief.

Foto: © Dan Hannen

> Tamari Okroashvili · Pianistin
Tournee im Januar 2018
Edvard Grieg · Klavierkonzert a-Moll op. 16

Du hast ja schon sehr früh angefangen Klavier zu spielen. Wusstest du schon immer, dass du das beruflich machen willst oder hast du jemals daran gedacht etwas anderes zu machen?
Es war mir irgendwie immer klar, das muss ich ganz ehrlich sagen. Ich habe eigentlich nie wirklich an etwas anderes gedacht. Im Alter von fünf Jahren hat mich mein Vater an der Musikschule angemeldet. In Georgien ist es so, dass man dafür vorher eine kleine Aufnahmeprüfung bestehen muss, bei der es darum geht, Noten nach Gehör zu erkennen. Mir wurde nach der Prüfung gesagt, dass mein Gehör sehr gut sei und nahegelegt, mit Geigenunterricht anzufangen. Mein Vater wollte aber unbedingt, dass ich Klavier spiele, weil eine langjährige Freundin von ihm an der Musikschule Klavier unterrichtet hat und er sich wünschte, dass ich bei ihr Unterricht nehme. Nachdem ich ein Jahr lang bei ihr Unterricht erhalten hatte, verwies sie mich wiederum an eine weitere Lehrerin, Tamar Okoloti, die mich besser fördern könne. In Georgien ist es übrigens so, dass die Grundausbildung – wenn man es so nennen will – am Klavier sieben Jahre dauert. Für diese ersten sieben Jahre wurde mir das Schulgeld erlassen – gewissermaßen als Fördermaßnahme. Zu der Zeit habe ich übrigens auch angefangen Konzerte zu spielen. Nach diesen sieben Jahren bin ich dann an die Musikschule für Hochbegabte nach Tiflis gekommen. Da ich die Aufnahmeprüfung dort sehr gut abgeschlossen hatte, konnte ich meine Ausbildung auch dort kostenfrei fortsetzen. Ich muss dazu sagen, dass das musikpädagogische System in Georgien wirklich sehr gut ist. In Deutschland habe ich den Eindruck, dass Klavierunterricht vielleicht eher als Hobby angesehen wird, wohingegen es in Georgien sehr ernst genommen wird. Ich würde auch behaupten, dass in Georgien fast jede Familie ein Klavier besitzt. Dort stehen mir zum Beispiel zwei Klaviere zur Verfügung, hier hingegen habe ich kein eigenes.

Kennst du das Klavierkonzert von Grieg und was ist dein Bezug dazu?Tamari bei einem Konzert im Kindesalter
Nein, ich habe es vorher noch nicht gespielt, aber ich kannte es natürlich – es ist ja auch eines der meistgespielten Klavierkonzerte. Ich schreibe nun aber auch meine Masterarbeit über dieses Konzert. Nachdem mich Herr Beissel vor ca. einem Jahr gefragt hat, ob ich das Konzert spielen möchte, war mir klar, dass ich mich sehr intensiv mit dem Stück beschäftigen würde. Daraufhin habe ich mit Herrn Prof. Köhler, meinem Professor hier an der Uni in Halle, vereinbart, dass ich darüber meine Masterarbeit schreiben kann. Mittlerweile habe ich die Arbeit auch schon zur Korrektur vorgelegt. In der Arbeit geht es um die technischen Schwierigkeiten des Stückes, ein wenig um dessen Entstehungsgeschichte, aber ich gehe dort auch auf pädagogische Aspekte ein.

Hast du in der Vergangenheit bereits mit einem Orchester zusammen gespielt?
Nein, das habe ich leider noch. In Georgien hat sich nie die Gelegenheit dazu ergeben, denn das ist dort auch gar nicht so einfach. Ich habe schon in ganz unterschiedlichen Konstellationen gespielt, ich mache sogar die Liedbegleitung für einen Kinderchor. Aber mit einem Orchester habe ich noch nie gespielt und finde das ziemlich aufregend.

Kommst du aus einer musikalischen Familie? Hast du Eltern oder Geschwister, die auch musikalisch aktiv sind?
Meine Eltern haben auch die eingangs erwähnten sieben Jahre Klavierausbildung absolviert, spielen aber nicht mehr aktiv. Sie hören beide sehr gerne Musik und so werden sie mich Anfang dieses Jahres in Deutschland besuchen und auch ins Konzert nach Bonn am 4. Februar kommen, was mir natürlich sehr viel bedeutet. Ansonsten spielt mein junger Bruder noch sehr gut georgische Folklore auf verschiedenen georgischen Instrumenten. Georgische Volkslieder sind im Übrigen sehr interessant; ich studiere im Nebenfach Gesang und singe dort überwiegend georgische Volkslieder. Die Lieder sind alle polyphon, mindestens dreistimmig, und ich singe eigentlich kaum etwas anderes, weil mich das einfach sehr glücklich macht. In Georgien hat das Singen eine sehr große Tradition und ich würde behaupten, dass dort in jeder Familie mindestens eine Person singt.

Hast du neben dem Klavierspiel noch eine andere Leidenschaft oder ein Hobby, dem du nachgehst?
Nein, ich denke dafür fehlt mir einfach die Zeit. Ich muss mir mein Studium selbst finanzieren und das ist natürlich recht zeitintensiv. Wenn ich nicht an der Uni bin, arbeite ich an einer Musikschule und unterrichte dort dreißig Schüler. Da bleibt wenig Zeit für Hobbys. Es ist ohnehin nicht einfach, wenn man als Georgierin in Deutschland studieren will. Neben der Finanzierung des Alltags, muss man auch noch einen größeren Geldbetrag auf einem Sperrkonto vorweisen – gewissermaßen als Sicherheit. Auch das war eine große Hürde und wenn die Großeltern meines Freundes nicht gewesen wären, die mir das Geld geliehen haben, hätte ich gar nicht studieren kann. Dafür bin ich wirklich sehr dankbar.

Zum Abschluss noch eine Frage nach deinen Plänen für die Zukunft. Wo soll es denn nach deinem Studium hingehen?
Tja, da interessiert mich natürlich so einiges. Ich denke, ich möchte vor allen Dingen eine gute Konzertpianistin sein. Das ist einfach meine große Leidenschaft und ich fühle mich auf der Bühne auch sehr gut. Mittlerweile interessiert mich die Pädagogik aber auch zunehmend und ich würde gerne weiter an einer Musikschule unterrichten und noch lieber irgendwann an einer Musikhochschule.