Solisten

Ihrem Ideal als Internationale Orchesterakademie verpflichtet, lädt die Klassische Philharmonie Bonn regelmäßig junge Nachwuchstalente dazu ein, das Orchester bei einer ihrer Tourneen zu begleiten. Durch zahlreiche Kooperationen sind diese Musiker häufig Preisträger namenhafter Musikwettbewerbe, denen als Preis eine Deutschlandtournee mit dem Orchester ermöglicht wird. Darüber hinaus verfügt die Klassische Philharmonie Bonn aber auch über ein umfangreiches Netzwerk zu Konservatorien und Musikhochschulen, über das ebenfalls vielversprechende Nachwuchstalente verpflichtet werden. Nicht selten waren Tourneen mit der Klassische Philharmonie Bonn Sprungbretter für weitere Konzertverpflichtungen und auch Initialzündung für internationale Musikkarrieren. Dabei kann das Orchester auf Tourneen mit Künstlern aus der ganzen Welt zurückblicken und so unterschiedlich deren Herkunfstländern sind, so unterschiedlich sind häufig auch deren Werdegänge. Im folgenden möchten wir die Solisten etwas persönlicher vorstellen und ihnen im Rahmen eines kleines Gespräches die Möglichkeit bieten, sich selbst vorzustellen.

> Tamari Okroashvili · Pianistin
Tournee im Januar 2018
Edvard Grieg - Klavierkonzert a-Moll op. 16

Du hast ja schon sehr früh angefangen Klavier zu spielen. Wusstest du schon immer, dass du das beruflich machen willst oder hast du jemals daran gedacht etwas anderes zu machen?
Es war mir irgendwie immer klar, das muss ich ganz ehrlich sagen. Ich habe eigentlich nie wirklich an etwas anderes gedacht. Im Alter von fünf Jahren hat mich mein Vater an der Musikschule angemeldet. In Georgien ist es so, dass man dafür vorher eine kleine Aufnahmeprüfung bestehen muss, bei der es darum geht, Noten nach Gehör zu erkennen. Mir wurde nach der Prüfung gesagt, dass mein Gehör sehr gut sei und nahegelegt, mit Geigenunterricht anzufangen. Mein Vater wollte aber unbedingt, dass ich Klavier spiele, weil eine langjährige Freundin von ihm an der Musikschule Klavier unterrichtet hat und er sich wünschte, dass ich bei ihr Unterricht nehme. Nachdem ich ein Jahr lang bei ihr Unterricht erhalten hatte, verwies sie mich wiederum an eine weitere Lehrerin, Tamar Okoloti, die mich besser fördern könne. In Georgien ist es übrigens so, dass die Grundausbildung – wenn man es so nennen will – am Klavier sieben Jahre dauert. Für diese ersten sieben Jahre wurde mir das Schulgeld erlassen – gewissermaßen als Fördermaßnahme. Zu der Zeit habe ich übrigens auch angefangen Konzerte zu spielen. Nach diesen sieben Jahren bin ich dann an die Musikschule für Hochbegabte nach Tiflis gekommen. Da ich die Aufnahmeprüfung dort sehr gut abgeschlossen hatte, konnte ich meine Ausbildung auch dort kostenfrei fortsetzen. Ich muss dazu sagen, dass das musikpädagogische System in Georgien wirklich sehr gut ist. In Deutschland habe ich den Eindruck, dass Klavierunterricht vielleicht eher als Hobby angesehen wird, wohingegen es in Georgien sehr ernst genommen wird. Ich würde auch behaupten, dass in Georgien fast jede Familie ein Klavier besitzt. Dort stehen mir zum Beispiel zwei Klaviere zur Verfügung, hier hingegen habe ich kein eigenes.

Kennst du das Klavierkonzert von Grieg und was ist dein Bezug dazu?Tamari bei einem Konzert im Kindesalter
Nein, ich habe es vorher noch nicht gespielt, aber ich kannte es natürlich – es ist ja auch eines der meistgespielten Klavierkonzerte. Ich schreibe nun aber auch meine Masterarbeit über dieses Konzert. Nachdem mich Herr Beissel vor ca. einem Jahr gefragt hat, ob ich das Konzert spielen möchte, war mir klar, dass ich mich sehr intensiv mit dem Stück beschäftigen würde. Daraufhin habe ich mit Herrn Prof. Köhler, meinem Professor hier an der Uni in Halle, vereinbart, dass ich darüber meine Masterarbeit schreiben kann. Mittlerweile habe ich die Arbeit auch schon zur Korrektur vorgelegt. In der Arbeit geht es um die technischen Schwierigkeiten des Stückes, ein wenig um dessen Entstehungsgeschichte, aber ich gehe dort auch auf pädagogische Aspekte ein.

Hast du in der Vergangenheit bereits mit einem Orchester zusammen gespielt?
Nein, das habe ich leider noch. In Georgien hat sich nie die Gelegenheit dazu ergeben, denn das ist dort auch gar nicht so einfach. Ich habe schon in ganz unterschiedlichen Konstellationen gespielt, ich mache sogar die Liedbegleitung für einen Kinderchor. Aber mit einem Orchester habe ich noch nie gespielt und finde das ziemlich aufregend.

Kommst du aus einer musikalischen Familie? Hast du Eltern oder Geschwister, die auch musikalisch aktiv sind?
Meine Eltern haben auch die eingangs erwähnten sieben Jahre Klavierausbildung absolviert, spielen aber nicht mehr aktiv. Sie hören beide sehr gerne Musik und so werden sie mich Anfang dieses Jahres in Deutschland besuchen und auch ins Konzert nach Bonn am 4. Februar kommen, was mir natürlich sehr viel bedeutet. Ansonsten spielt mein junger Bruder noch sehr gut georgische Folklore auf verschiedenen georgischen Instrumenten. Georgische Volkslieder sind im Übrigen sehr interessant; ich studiere im Nebenfach Gesang und singe dort überwiegend georgische Volkslieder. Die Lieder sind alle polyphon, mindestens dreistimmig, und ich singe eigentlich kaum etwas anderes, weil mich das einfach sehr glücklich macht. In Georgien hat das Singen eine sehr große Tradition und ich würde behaupten, dass dort in jeder Familie mindestens eine Person singt.

Hast du neben dem Klavierspiel noch eine andere Leidenschaft oder ein Hobby, dem du nachgehst?
Nein, ich denke dafür fehlt mir einfach die Zeit. Ich muss mir mein Studium selbst finanzieren und das ist natürlich recht zeitintensiv. Wenn ich nicht an der Uni bin, arbeite ich an einer Musikschule und unterrichte dort dreißig Schüler. Da bleibt wenig Zeit für Hobbys. Es ist ohnehin nicht einfach, wenn man als Georgierin in Deutschland studieren will. Neben der Finanzierung des Alltags, muss man auch noch einen größeren Geldbetrag auf einem Sperrkonto vorweisen – gewissermaßen als Sicherheit. Auch das war eine große Hürde und wenn die Großeltern meines Freundes nicht gewesen wären, die mir das Geld geliehen haben, hätte ich gar nicht studieren kann. Dafür bin ich wirklich sehr dankbar.

Zum Abschluss noch eine Frage nach deinen Plänen für die Zukunft. Wo soll es denn nach deinem Studium hingehen?
Tja, da interessiert mich natürlich so einiges. Ich denke, ich möchte vor allen Dingen eine gute Konzertpianistin sein. Das ist einfach meine große Leidenschaft und ich fühle mich auf der Bühne auch sehr gut. Mittlerweile interessiert mich die Pädagogik aber auch zunehmend und ich würde gerne weiter an einer Musikschule unterrichten und noch lieber irgendwann an einer Musikhochschule.